Dienstag, 23. Oktober 2012

Glücklich sein... Kann man das lernen?

Also....was habe ich noch versucht?
Um unserem Wunschbaby = "Sahnehäubchen" auch ohne künstlicher Befruchtung eventuell ein Stück weit näher zu kommen, habe ich dann irgendwann begonnen zu einer Energetikerin zu gehen. Mittlerweile bin ich schon eine Weile bei ihr und wir haben bereits einiges aufgearbeitet. Ich schäle mich da wohl wie eine Zwiebel. Finde ich zumindest. Von einem zum anderen Thema in meinem Leben.
Man könnte auch ganz offen sagen: ich gehe seit einiger Zeit zur Gesprächstherapie (denn die nette Dame ist ausgebildete Psychotherapeutin)
Hmmm...ich schätze ich kann´s nicht Schönreden :-)

Ein ewiges auf und ab ist das bei mir. Mal geht es mir echt gut und ich kann aus voller Überzeugung sagen: es geht mir auch ohne Baby gut. Und dann kommen wieder Tage, da sitze ich dann dort wie ein Häufchen Elend und heule eine geschlagene Stunde vor mich hin. (Anm.: In den ersten paar Minuten bin ich ja noch ziemlich cool. Mrs. Cool in Person. Doch mittlerweile sollte ich wissen, dass die nette Frau genau weiß wo sie reinbohren muss. Da reicht dann ein einziges Wort) Und dann ergießen sich Bäche des Selbstmitleids und Tränen über sie.

Da tauchen dann plötzlich Dinge auf wie:
-          Wäre ich überhaupt eine gute Mutter?
-          Hätte ich die Geduld für ein Kind?

Einfach ganz viele Zweifel. Denn eines muss man auch erwähnen...man macht sich natürlich auch Gedanken WARUM das alles nichts wird. Wenn man davon ausgeht, dass alles einen Grund hat (davon kann man natürlich halten was man will), stellt man sich schon die Frage nach dem Grund.

Zusätzlich werde ich auch mit Tuina von ihr behandelt. (das ist eine selbstständige chinesische Massageform und Teil der Traditionellen Chinesischen Medizin TCM)
Durch diese Anwendungen hatte ich plötzlich (leider nicht ganz regelmäßig) KEINE Menstruationsbeschwerden mehr.

Ein kleiner Schritt für die Menschheit doch ein Großer für mich.

Denn während der roten Pest, liege ich trotz 2-3 Schmerztabletten zusammengekauert in meinem Bett und leide.

Durch diese Behandlungen und Gespräche bin ich zwar immer noch nicht schwanger geworden, aber es hat mir trotzdem sehr geholfen. Mir ist sehr viel klar geworden.

Ich versuche mich zu erklären:
Ich bin ein sehr zielstrebiger Mensch. Elender Perfektionist könnte man auch sagen. Und grundsätzlich war es in meinem bisherigen Leben so, dass ausnahmslos ALLES was ich mir in den Kopf gesetzt habe, auch funktioniert hat. Denn wenn ich etwas wollte, habe ich alle Hebel in Bewegung gesetzt und das durchgezogen. Und dieses Babythema machte mich ziemlich Banane im Kopf, denn das kenne ich nicht, dass etwas nicht so will wie ich will. Mit Hilfe von meiner Energetikerin (nennen wir sie der Einfachheit halber P.) habe ich aber gelernt, dass man eben nicht alles planen und organisieren kann. Dass manches einfach nicht nach meinem Willen funktioniert.
Ich bin den Großteil meiner 5 Babywunschjahre so dermaßen verbissen gewesen, dass ich rundum gar nichts mehr wahrgenommen habe.
Mein Ziel war: BABY
Doch wie bereits erwähnt: den Weg dorthin hab ich völlig ausgeblendet. Ich habe rundherum nichts mehr wahrgenommen. Habe mich an fast nichts mehr wirklich freuen können. Es sind (im Nachhinein betrachtet) echt tolle Dinge passiert in den letzten Jahren, doch richtig würdigen und realisieren kann ich sie erst jetzt. (habe mich verlobt, habe tolle Ausbildungen gemacht, Massagekurse, Energetik-Ausbildung begonnen, bin am Hausbauen, wurde Patentante, habe mich in der Arbeit weiterentwickelt......)
Überschattet war das alles vom Thema BABY.
Dem Ziel. Baby.
P. meinte immer zu mir:
"Ein Vergleich, vielleicht kannst du etwas damit anfangen. Wir beide gehen auf einen Berg. Unser Ziel ist das Gipfelkreuz. Du rennst nach oben ohne nach links und rechts zu blicken. Ich bleibe bei der Hälfte des Weges sitzen...weil es mir dort einfach gefällt."

JETZT kann ich etwas damit anfangen. Und ich bedauere sehr, dass die letzten paar Jahre so spurlos an mir vorübergezogen sind. Vielleicht ist das schon mal ein Schritt in die richtige Richtung. Es fühlt sich auf jeden Fall gut an.

Alleine dass ICH sage: es fühlt sich gut an.....da muss ich echt lachen. Denn als absolute Gefühlslegasthenikerin (in der Vergangenheit) ist mir das nie leicht gefallen über Gefühle und sonstiges zu sprechen. Ich bin der Schreibe-Typ. Aber durch P. habe ich das alles gelernt. Danke danke danke!

Ich versuche zur Zeit (und es gelingt mir recht gut) nicht das Baby als Ziel zu sehen. Darum habe ich mir ein neues, viel besseres Ziel gesteckt. Glücklich sein. Mit dem JETZT-Zustand. Anzuerkennen, dass es auch passieren kann, dass ich nie Kinder haben werde. (vor 2 Jahren hätte ich das nicht einmal denken können ohne loszuheulen) Mein Leben anzunehmen und ein eventuelles Baby tatsächlich als "Sahnehäubchen" zu sehen. Denn ich bin es leid, immer diesem Wunsch hinterher zu jagen. Das heiß nicht, dass ich nichts mehr versuche. Das heißt nur, dass ich es nicht mehr verbissen mache und auch nicht IMMER. Wenn ich Lust habe, dann habe ich Lust. Wenn nicht – dann nicht. Zur Zeit habe ich keine Lust. Also unternehme ich auch nichts diesbezüglich.

Hasi sieht das Gott sei Dank wie ich. Er unterstützt mich da absolut. Manchmal schleudert er sowieso Weisheiten raus, dass ich oft ganz perplex bin. Er überrascht mich jeden Tag aufs neue.  Er sagt lange nichts. Aber dann kommt es.... Irgendwann (als wir uns wieder einmal mit diesem Thema auseinandersetzten meinte Konfuzius also:
Sieh nicht immer das was wir nicht haben, sieh mal das was wir haben.
WOW. Er hatte so recht. Und das hab ich mir echt zu Herzen genommen. Und außerdem hab ich mich auch geschämt. Denn wenn er es schaffte mit uns beiden allein und unserem gemeinsamen Leben glücklich zu sein, sollte ich das wohl auch können. Oder etwa nicht?
Und das lerne ich gerade. (krank, so etwas lernen zu müssen...aber ja)

Und wenn ich ehrlich sein soll (und hey...das ist MEIN Blog...wenn nicht hier, wo dann :-)
ES GEHT MIR SO GUT WIE SCHON LANGE NICHT MEHR!!!!

Es ist zwar immer noch eine Umstellung und ich bin auch kein Wunderwutzi der einfach einen Schalter umlegt und plötzlich glücklich und zufrieden ist, aber ich bin ziemlich gut dabei.




(vor einigen Monaten habe ich noch etwas anderes probiert, das werde ich euch natürlich auch noch alles genau erzählen...)

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Roadtrip

Seit unserem 2. IVF Versuch Anfang 2011 waren wir nicht mehr in der KiWu-Klinik. Unsere Eskimos liegen immer noch gut behütet auf Eis und warten auf ihren Einsatz.

Das ist der momentane Stand der Dinge.

Doch ich wäre nicht ICH, wenn ich in den vergangenen paar Monaten  nicht einiges probiert hätte und noch immer probiere). Aber da ich immer noch nicht schwanger bin, könnte man meine Versuche (die ich euch natürlich noch aufzählen werde) als eher SUBOPTIMAL einstufen. Zumindest was eine Schwangerschaft betrifft. Denn obwohl diese immer noch nicht eingetreten ist, hat sich dennoch sehr vieles in meinem Leben und auch an meinen Ansichten verändert.
 
Die Phasen meiner persönlichen Veränderung stehen schwarz auf weiß niedergeschrieben und mitprotokolliert auf diesen Seiten. Zumindest die kleineren Fortschritte. 

Ein bisschen loslassen können, den Druck ein wenig zu reduzieren, usw. 
Und vor allem (für mich am wichtigsten): Wiedermal ein Leben abseits vom Thema Kinderwunsch zu führen.  
Sich wieder an Dingen erfreuen können.
Sie überhaupt wahrzunehmen...
In dieser Zeit war ich so sehr auf das Ziel versessen, dass ich den Weg dorthin ganz vergessen habe. Und der hält ja auch (wenn man den "Kinderwunsch-Scheuklappen-Effekt" mal ein wenig bei Seite legt) ganz tolle Dinge für einen bereit.

Irgendwie sollte doch der Weg zum Wunschkind nicht nur trostlos sein, sondern eher wie ein Roadtrip. Eine (weite) Reise mit viel Actíon am Straßenrand :-)

Ich schätze, irgendwann kommt jede "Kinderwünschlerin" einmal an einen Punkt, an dem man sich Manches fragen muss (bei der Einen früher - bei der Anderen später):

WIE WEIT GEHE ICH FÜR EIN KIND?
WAS VERSUCHE ICH ALS NÄCHSTES?
SOLLTE ICH ALTERNATIVE HEILMETHODEN IN ERWÄGUNG ZIEHEN?
WANN STARTE ICH EINEN NEUEN VERSUCH?
usw.

Und genau ab hier, geht es für jeden anders weiter. Jeder schlägt ab diesem Zeitpunkt eine andere Richtung ein. Es hat ja auch jeder eine andere Geschichte und andere Erlebnisse diesbezüglich gemacht.
 
Es ist zwar immer der Kinderwunsch, der uns verbindet, doch auf unterschiedlich gelebte und verarbeitete Arten.
Und das soll ja auch so sein, denn ein Stück weit gehen viele gemeinsam einen ähnlichen Weg...doch irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem sich die Zukunft für jeden anders entwickelt.
Jeder für sich selbst eine eigene "Route" wählt. Wie man sich weiterentwickelt, welche weiteren Entscheidungen man trifft, wie das Leben weitergeht und was man davon lernt und für sich selbst mitnimmt.

Über meine gewählte "Route" möchte ich euch natürlich auch nicht im Dunkeln lassen. Ich kann damit wirklich gut leben. Ich bin dankbar, dass mir diese Option "gezeigt" wurde und ich den Mut und die Kraft hatte sie anzunehmen.




Manchmal sind die Karten im Leben nicht so gemischt, wie wir es wollen;
trotzdem müssen wir uns damit zurecht finden und das Spiel weiterspielen.
Anonym

 

 

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Auf auf in ein neues Zeitalter!

Und so verging der Sommer den ich vorbeiziehen lassen wollte. Tage, Wochen, Monate vergingen wie im Flug. Kein einziges Mal tauchte bei mir der zwanghafte Wunsch nach einer weiteren künstlichen Befruchtung auf. Ich dachte wohl darüber nach, aber ich hatte so viele andere Dinge im Kopf, dass ich weder Zeit noch Lust dazu verspürte. Irgendwie machte mich das stutzig. Ich war wohl froh über diese angenehme Wandlung meines Lebens, aber so richtig glauben konnte ich es nicht. Zu Beginn dieser „ich geh es jetzt ganz locker an“-Phase dachte ich noch, dass ich mich selbst belügen würde. Dass ich mir unbewusst einredete, dass unser Wunschbaby nicht mehr im Vordergrund unseres Leben stünde. Aber je länger ich darüber nachdachte, desto mehr viel mir auf, dass es tatsächlich so war. Das kam ja auch nicht von heute auf morgen. Das war immerhin ein langer, um nicht zu sagen elendslanger Prozess. Viele schlaflose Nächte, viele Gespräche mit Hasi und noch viel mehr mit mir selbst.

Der Wunsch nach einem Baby ist natürlich immer noch da, aber ich habe einfach begriffen, dass wir nichts erzwingen können. Wir könnten noch zwanzig Versuche starten. Irgendwie ist scheinbar unser richtiger Zeitpunkt noch nicht gekommen. Warum? Tja, das kann ich auch nicht beantworten. Verunsichert es mich? Nein, nicht mehr wirklich. Ich vertraue einfach darauf, dass auch unser Wunsch sich irgendwann erfüllen wird. Unser Wunsch von unserer kleinen Familie.

In unseren endlos langen Gesprächen haben wir uns sehr viele Fragen gestellt. Warum wird das nichts? Warum ist der erste Versuch dermaßen ausgeartet? Warum stehen auf beiden Seiten die Zeichen eher schlecht ein Baby zu bekommen (Eileiter, Spermienquantität)? Passt bei uns vielleicht einfach die „Chemie“ nicht um ein Baby zu zeugen? Sind wir wirklich bereit für ein Baby? Warum wollen wir ein Kind? Wären wir in unserem weiteren gemeinsamen Leben auch ohne Kind glücklich? Würden wir zusammenbleiben? Oder würden wir totunglücklich werden und uns über kurz oder lang voneinander entfernen und sogar trennen? Wären wir wirklich gute Eltern? Hat das Schicksal etwas anderes mit uns geplant? (ja sogar auf solche spirituellen Fragen kamen wir)? Wenn ja, was? Reden wir uns nur ein, dass zur Zeit alles einfacher, leichter funktioniert? Wären wir geduldig genug um auf eine natürlich eintretende Schwangerschaft zu warten? Sollten wir einen weiteren Versuch wagen? Wenn ja, wann? Wie lange würden wir uns Zeit lassen? Wann würden wir unserem Wunsch ein Ende setzen?

Die Fragerei nahm gar kein Ende mehr. Aber wir konnten uns die wichtigsten aller Fragen Gott sei Dank (zu vollster Zufriedenheit beider Seiten) beantworten.

Ja, wir würden auch weiterhin versuchen unseren Wunsch real werden zu lassen. Warum auch nicht? Wir wollen ein Baby. An dem hat sich nichts geändert. Und natürlich würden wir uns ganz besonders freuen, wenn es auf natürlichem Weg klappen würde (ich schließe da gar nichts aus). Aber wir mussten uns natürlich auch mit dem Fall der Fälle auseinandersetzen. Was ist, wenn wir nie ein Baby bekommen könnten? Es wäre sicher nicht immer einfach, aber wir würden auf jeden Fall zusammenbleiben wollen. Wir lieben uns und warum sollte unsere Liebe nicht kinderlos weitergeführt werden? Wir sind uns unserer Sache ganz sicher. Unsere Beziehung ist schon seit so vielen Jahren einfach nur traumhaft. Das lasse ich mir nicht einmal von meinem Kinderwunsch nehmen.

 
Vor langer Zeit habe ich mich einmal gefragt, was ich mit meinem Leben anfangen würde, wenn ich kein Kind bekommen könnte. Damals ist mir nichts wirklich Sinnvolles eingefallen. Ein tolles Auto? Nett. Reisen? Schön, aber auch nicht immer. Kariere? Wer braucht Kariere? Ein großes Haus? Blabla. Mir fiel nichts ein was ich mit meinem restlichen Leben ohne Kind anfangen sollte. Traurig. Jetzt wo mir das bewusst wird, erschüttert mich das. Mir wird jetzt erst die Intensität meiner Verzweiflung bewusst.

Doch das war.

Ich fühle mich richtig dumm bei dem Gedanken, dass wir unser Lebensglück in den letzten Jahren nur von meinem Zyklus abhängig gemacht haben.

Heute habe ich es geschafft, mein Leben nicht verzweifelter Weise anhand eines Kindes für gut oder schlecht zu befinden.  Ich identifiziere mich nicht mehr als Gebär-Mutter. Ich sehe es nicht mehr als meine verdammte Pflicht an um jeden Preis ein Kind zu bekommen. Ohne Rücksicht auf meine eigene Gesundheit. Der Wunsch ist immer noch da. Ja, ich wünsche mir von Herzen ein Baby. Wir wünschen uns von Herzen ein Baby. Wir wären tolle, liebevolle Eltern. Der kleine Zwerg hätte es wunderschön bei uns. Denn er würde Eltern bekommen die ihn aus tiefstem Herzen lieben. Die sich aus tiefstem Herzen lieben.

Es wird sich zeigen. Ich habe ein gutes Gefühl bei dieser Babysache. Und ich freue mich riesig auf den Zeitpunkt, der unser absolutes Wunschkind für uns bereit hält. Er wird schon kommen. Ich werde es erwarten können.

Ich bin wirklich stolz auf uns. Auf unsere Beziehung die nicht zerbrochen ist sondern intensiver wurde denn je. Ich bin stolz auf unseren Zusammenhalt. Auf unseren Kampfgeist. Ich bin stolz auf unseren scheinbar bestandenen Lernprozess.

Ich bin stolz auf uns, als Paar.

Denn wir haben es geschafft, dass ein Baby nicht mehr unseren Lebenssinn ausmachen würde, sondern das Sahnehäubchen auf unserem ohnehin tollen, gemeinsamen Leben wäre.
 
(ABER: ich stehe nunmal auf Sahnehäubchen....und deshalb lässt man natürlich nichts unversucht...aber mehr dann ein anderes Mal)

Dienstag, 16. Oktober 2012

Feindbild Unterleib

Es reicht! Ich habe die Schnauze gestrichen voll! Es ist jetzt wirklich genug!

Ich habe endgültig eingesehen, dass ich das Armdrücken gegen meinen Unterleib verloren habe. Er (mein Unterleib) hat sich in den vergangenen Jahren zu meinem persönlichen Feindbild entwickelt. Ich laufe von Pontius zu Pilatus um es ihm recht zu machen. Von meiner Energetikerin zur Cranio Sacral Therapeutin. Von Visualisieren des Babys über "mit dem Unterleib in Dialog gehen" habe ich echt alles durch. Doch nichts bringt mich bisher ans Ziel. Ich tue wirklich alles was in meiner Macht steht. Gebe Unmengen von Geld für alternative Heilmethoden aus, entspanne mich, nehme alles nicht mehr so ernst. Und dennoch: er wehrt sich gegen eine Schwangerschaft.

Was soll ich denn noch alles machen? Gibt es auf diesem dämlichen Planeten denn irgendetwas, das ich noch nicht versucht habe?

Ich dachte mir, ich beginne mit diesen Methoden um es ihm etwas leichter zu machen, aber es scheint ihn einfach nicht zu interessieren, dass ich mir für ihn den Arsch aufreiße. Er ignoriert meine Bemühungen einfach. Ich habe es satt!

Ja sicher. Früher war das nicht so. Früher habe ich mich gar nicht um ihn gekümmert. Irgendwie bewahrheitet sich ja doch alles, was man in seiner Kindheit und Jugend eingetrichtert bekommen hat. Ich erinne mich nur zu gut an die Ratschläge meiner Mutter:
-          zieh dir ein längeres T-Shirt an damit es dir nicht auf Bauch und Rücken zieht
-          wechsle nach dem Baden deinen Bikini damit du etwas Trockenes anhast
-          setze dich nicht auf den kalten Boden
-          nimm nicht zu lange die "Hormonbombe" Pille

Um nur einige zu nennen. Meine Antwort auf diese sicherlich gut gemeinten Tipps war eigentlich immer ein ziemlich genervtes und absolut nichts ernst nehmendes "Jaaa, Mama". Befolgt habe ich es nie.

"Irgendwann wirst du dir wünschen, du hättest auf mich gehört", waren ihre abschließenden, resignierenden Worte.

Hm. Ich schätze irgendwann tritt genau jetzt ein. Mein Unterleib und ich waren ja noch nie die besten Freunde. Das fing bereits sehr früh an, als ich als Kind beim Balancieren über einen Zaun das Gleichgewicht verlor und breitbeinig auf dem Selbigen aufschlug. Und im Laufe der Zeit ging es von meiner Seite her genau so weiter. Unter anderem mit dem Nichtbefolgen von Mum´s Ratschlägen. Ich habe mich, wenn man so sagen will, um die Aufrechterhaltung unserer Freundschaft nie wirklich gekümmert. Aber wer denkt denn mit dreizehn daran, dass man für diese Vernachlässigung irgendwann mal eine derartige Retourkutsche bekommen könnte? Um es auf den Punkt zu bringen:
Mein Unterleib und ich haben uns in den vergangenen Jahren nichts geschenkt. Heimgezahlt hat er es mir ziemlich früh mit extrem schmerzhaften Regelbeschwerden und immer wieder kehrenden Zysten. Durch meinen Kinderwunsch habe ich dann erst gemerkt, welche Hinterlistigkeiten er noch für mich in petto hatte. Verstopfte Eileiter, einen zu engen Gebärmuttereingang, eine S-Kurve und (ganz speziell) eine Bauchhöhlenschwangerschaft. Irgendwie muss es da ja mal einen "Stopp-Schalter" geben?

Vielleicht habe ich das Alles ja ein wenig verdient. Nach dem Motto "Auge um Auge – Zahn um Zahn" haben wir ständig unsere Machtkämpfe ausgetragen und ich wurde ins Kinderlosenland verbannt. Sicher. Ich kann jetzt nicht mit Gewissheit sagen, ob meine (nennen wir sie) Defizite von meinem achtlosen Umgang in früheren Jahren kommen. Aber ausschließen kann ich es genau so wenig. Und genau deswegen muss ich jetzt in die Offensive gehen.

Lieber Unterleib!
Ich wende mich jetzt erstmalig direkt an dich. Wir müssen reden. Das muss aufhören. Schön langsam könntest du wirklich mal ein Auge zudrücken und eine Schwangerschaft zulassen. Ich tue ja wirklich schon alles dafür, dass du dich bei mir wohlfühlen kannst. Ich möchte keine Feindschaft mehr mit dir haben. Wir sollten es doch irgendwie schaffen in Einklang miteinander zu leben. Ich entschuldige mich für mein schroffes Verhalten in den letzten Jahren. Wenn ich dich irgendwie beleidigt habe, tut mir das ehrlich leid. Vielleicht kannst du mir ja verzeihen. Du siehst ja, dass ich mich ernsthaft bemühe das Alles wieder gut zu machen.

Schon Mahatma Gandhi sagte: "Der Schwache kann nicht verzeihen. Verzeihen ist eine Eigenschaft des Starken."

Wir müssen ja keine Busenfreunde werden, aber vielleicht schaffen wie es ja, uns zumindest fair zu behandeln. Lass uns doch gemeinsam an dem Baby-Strang ziehen. Du möchtest doch bestimmt auch deiner vorgesehenen Aufgabe nachkommen. Lass uns ab jetzt zusammenarbeiten. Lass uns wie Batman und Robin gegen die Kinderlosigkeit ankämpfen! Lass uns wie Pinky und Brain die Herrschaft über das Kinderlosenland an uns reißen!
Auf eine gute freundschaftliche Basis!
  
Hm. Wo habe ich bloß meine Selbstachtung liegengelassen?

Montag, 15. Oktober 2012

Warum will man eigentlich Kinder?

Eine berechtigte Frage. Findet ihr nicht? Warum um alles in der Welt taucht bei einer Frau urplötzlich der Wunsch auf, Mutter werden zu wollen? Heute feiert man noch ausgelassen den 25. Geburtstag und morgen beginnt man sich den Kopf über fruchtbare Tage und Babykram zu zermartern. In so manch ruhiger Minute habe ich mich bereits mit dieser Frage beschäftigt. Aber nicht nur in ruhigen, besinnlichen Minuten. Denn meist drängte sich mir diese Frage dann auf, wenn man sich als Unfruchtbare mitten in einem Mütter-Rudel befindet und die Situation einfach nur beobachtet.

Die Kleinen schreien, weinen bei jeder Gelegenheit, wissen anscheinend ab der ersten Lebenswoche die Eltern auszutricksen, gegeneinander aufzuhetzen und erlauben den meist völlig abgekämpften Müttern nicht einmal eine kurze Kaffeepause.

Ich verhalte mich dann immer recht ruhig und beobachte das Ganze mit (ich gestehe) einem leichten Grinsen im Gesicht. Also bitte: wenn ich schon unfruchtbar bin, dann darf ich mich wohl über gestresste, genervte Eltern belustigen. Ein wenig zumindest.

Mütter halten sich ja fälschlicherweise für ganz normale Menschen. Das Folgende würde ich nicht wagen in einer Müttergruppe von mir zu geben. Das könnte böse enden. Aber seien wir uns ehrlich: Welche Menschengruppe unterhält sich denn während dem gemütlichen Freundinnentreffen über Brechdurchfall, Rotzblasen und Dammschnitte? Ganz richtig: Mütter. Ob man will oder nicht, man erfährt alles über die (ohnehin immer) schlimmste Geburt aller Zeiten. Zu große Köpfe die sich durch zu kleine Ausgänge quetschten. Zu lange Fingernägel, die Spuren im weiblichen Innenraum hinterließen. Und nach solchen oder ähnlichen Horrorgeschichten kommt aber immer, und das unter Garantie, der Spruch: aber wenn man das kleine Ding dann auf der Brust liegen hat ist alles vergessen.

Ach ja? Und warum könnt ihr dann die ganzen Abartigkeiten detailgetreu wiedergeben?

Alles wird einem förmlich aufgedrängt.

Aber wehe man gibt dann als Nichtmutter irgendwelche unpassenden Kommentare ab. Wir haben zwar Meinungsfreiheit, aber Vorsicht. Mütter sind was ihre Babys angeht, humorfreie Zonen. Mit ihnen ist nicht zu spaßen. Man könnte glauben, dass  manchen Müttern zusammen mit der Nachgeburt auch ein Großteil ihres Humors abgenommen wurde.

Die realistische Wahrnehmung hinsichtlich des eigenen Kindes ist Müttern meistens auch unmöglich. Das eigene Kind ist ohnehin das Schönste (was ich ja auch verstehe), auch wenn der kleine undichte Mensch mit schrumpeligen Ärmchen und Beinchen und oft deformiertem Schädel (man hofft darauf, das sich das noch zurecht wächst) vor einem liegt. Aggressive Schreihälse werden schnell mal als "aufgeweckt" betitelt und ängstliche Rockzipfelhänger als "sensible Denker". Und wie lange gelten mondgesichtige Moppel offiziell eigentlich als Babyspeck-Träger?

Die Schwangerschaften selbst werden den Nichtmüttern ja trotz mindestens dreimonatiger Kotzanfällen, Stimmungsschwankungen und Elefantenbeinen schön geredet. Kreuzschmerzen und Schwangerschaftsstreifen werden dezent unter den Tisch fallen gelassen und auch die Tatsache des partnerschaftlichen Zehennägelschneidens und Dammbeinmassierens wird verschwiegen.

Wenn die kleinen (oft übellaunigen) Zwerge dann auf der Welt sind, beginnt die Erziehung. Irgendwie sollte man es ja hinbekommen, dass aus dem eigenen Kind nicht ein absoluter Loser wird. Die ersten Jahre bestehen aus Trotzphasen, Schlafmangel, Kotzflecken auf nahezu jedem T-Shirt und bergeweise vollgekackter Windeln. (Und nein, liebe Mütter, der Geruch einer Solchen ist außer für direkt im Verwandtschaftsverhältnis Stehende wirklich nicht erträglich.)

Also warum zum Teufel will man denn nun Kinder?

Ist diese Frage denn wirklich so ungewöhnlich? Ich habe sie auch in meinem Umfeld gestellt. Aber irgendwie war die Reaktion Mancher doch sehr speziell. Ich hatte sehr oft das Gefühl, dass diese Frage einer unfruchtbaren Frau nicht zustünde. Darf ich mir die Frage denn nicht ernsthaft stellen?

Bist du dir denn nicht mehr sicher? Warum versuchst du denn dann eine künstliche Befruchtung? Denkst du wirklich so über Schwangerschaft, Geburt und Erziehung? Solche und Andere Gegenfragen kamen postwendend zurück.

Halt! Stopp! Wenn ich mir nicht absolut sicher wäre, dass ich ein Kind will, dann würde ich das Alles nicht auf mich nehmen. Und die vielen vernachlässigten Kinder, die aus einer reinen kurzfristigen Bauchentscheidung heraus oder aus Fahrlässigkeit gezeugt wurden, sprechen meines Erachtens dafür, dass sich mehr diese Frage stellen sollten.

Ich bin mir sicher. Ich wünsche mir nichts mehr als eine dieser übervorsichtigen, vollgekotzten, manchmal gestressten, durch und durch liebenden Mütter zu werden. Mein Kind wird für mich einmal den schönsten deformierten Kopf, die süßesten Schrumpelärmchen und die best riechenste vollgekackte Windel haben. Ich freue mich darauf, einem kleinen hilflosem Wesen viel von meiner Zeit, Fürsorge und Liebe zu geben. Unsere Beziehung ist stark genug für ein Kind eine andere Qualität anzunehmen. Wir sind bereit für einen völlig neuen Lebensabschnitt und bereit dafür uns dem anfänglichen Chaos zu widmen.

Und genau so wie jede andere frischgebackene Mutter möchte ich (wenn meine Zeit irgendwann kommt) nach einem 15-stündigen Geburtsmarathon mein blutverschmiertes, blaugefärbtes Babybündel auf der Brust liegen haben und überglücklich sagen können: alle Schmerzen sind vergessen.

Also ja, ich weiß ganz genau warum ich ein Kind möchte!